Eigenwilliges Kurvenverhalten, langer Bremsweg, ungewohnte Abmessungen. Wer zum ersten Mal mit dem Wohnmobil unterwegs ist, stellt schnell fest: Der Camper fährt sich ganz anders als der gewohnte Pkw. Zwar stellt sich nach den ersten 200 Kilometern in der Regel bereits eine gewisse Routine ein. Trotzdem sollten Sie es auf Ihrer ersten Tour langsam angehen – und das Fahren mit dem Wohnmobil vor Antritt der ersten Etappe in sicherer Umgebung üben. Wir zeigen Ihnen, wie Sie sich Schritt für Schritt an das Wohnmobil-Fahren herantasten.
Wohnmobil fahren üben – machen Sie sich vor der Tour mit dem Fahrzeug vertraut
Das Fahrverhalten von Wohnmobilen und Pkw unterscheidet sich deutlich – auch dann, wenn das Wohnmobil unter 3,5 Tonnen wiegt. Das liegt am höheren Gewicht sowie der Länge und Höhe des Fahrzeugs. Brechen Sie auf Ihre erste Wohnmobil-Tour auf, sollten Sie sich daher zunächst mit dem Camper vertraut machen – und zwar bevor Sie über Landstraßen oder Autobahnen fahren.
Am besten, Sie steuern direkt nach der Übernahme Ihres Wohnmobils eine geeignete Übungsfläche an. In Frage dafür kommen vor allem große Parkplätze, wo Sie Platz zum Steuern, Anfahren und Bremsen haben. Das können beispielsweise Supermarkparkplätze an einem Sonntag sein. In Frage kommen aber auch Messegelände abseits von Messen oder Gewerbegebiete außerhalb der Arbeitszeiten. Befindet sich kein weitestgehend freier Großparkplatz in der Nähe, können Sie auch auf wenig befahrenen (und möglichst breiten) Nebenstraßen ein Gefühl für das Fahrverhalten Ihres Wohnmobils bekommen. Tipp: Oft erhalten Sie bei Ihrem Vermieter eine kurze Wohnmobil-Einweisung. Gut möglich, dass Sie vor Ort bereits einen Mini-Fahrtest machen können. Nutzen Sie die Gelegenheit und fragen Sie nach geeigneten Übungsflächen in der Nähe.
Üben sollten Sie insbesondere Kurvenfahren, Bremsen, Beschleunigen und Einparken. Auf Parkplätzen kann es Sinn machen, einen kleinen Parcours aus Verkehrshütchen, Kartons oder Wasserflaschen aufzubauen, um ein besseres Gefühl für die Maße des Wohnmobils zu bekommen.
Für die Übungsrunde sollten Sie mindestens 45 Minuten einplanen. Brechen Sie zu Ihrer Tour erst auf, wenn Sie sich sicher fühlen.
Wohnmobil fahren für Anfänger: 8 Tipps für die erste Camper-Reise
Gerade die ersten 200 Kilometer Ihrer Wohnmobil-Tour sollten Sie besonders aufmerksam fahren. Als Wohnmobilfahranfänger profitieren Sie von diesen Tipps:
- Üben Sie das Bremsen auf leerer Strecke. Sie werden feststellen: Durch das höhere Gewicht dauert es ungewohnt lange, bis Ihr Camper zum Stehen kommt. Es ist wichtig, dass Sie frühzeitig ein Gefühl für das Bremsverhalten Ihres Fahrzeugs bekommen.
- Halten Sie genügend Sicherheitsabstand. Denn durch den im Vergleich zum Pkw deutlich längeren Bremsweg, ist auch mehr Abstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen erforderlich. Gerade auf den ersten Kilometern Ihrer Tour sollten Sie sich das immer wieder bewusst machen.
- Bekommen Sie ein Gefühl für die Beschleunigung Ihres Wohnmobils. In Folge der Masse des Campers ist nicht nur der Bremsweg länger. Das Fahrzeug beschleunigt auch langsamer. Waghalsige Überholmanöver sind daher tabu!
- Bleiben Sie bei kurvigen Strecken besonders aufmerksam. Durch den höher liegenden Schwerpunkt wirken ganz andere Kräfte und die Kippneigung ist deutlich größer als bei einem Pkw. Sie müssen daher rechtzeitig und mit kleineren Bewegungen lenken.
- Fahren Sie nicht bei starkem Wind. Durch die größere Angriffsfläche gerät das Wohnmobil leichter ins Schwimmen. Gerade bei starkem Wind oder Sturm sollten Sie daher besser nicht fahren. Erhöhte Aufmerksamkeit ist auch bei besonders exponierten Lagen (z.B. auf Brücken) oder bei Überholen von Lkw geboten.
- Bleiben Sie ruhig. Wenn Sie ein Wohnmobil fahren, werden Sie von ungeduldigen Autofahrern mitunter häufiger gedrängelt als Sie es von der Fahrt mit dem Pkw gewohnt sind. Lassen Sie sich dadurch nicht verunsichern und halten Sie sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen.
- Behalten Sie die Maße Ihres Fahrzeugs immer im Blick. Am besten Sie schreiben sich die Ausmessungen auf einen Zettel, den Sie im Cockpit immer griffbereit haben. Gerade bei niedrigen Brücken oder schmalen Straßen ist Vorsicht geboten! Und auch Parkhäuser sind (fast) immer tabu.
- Planen Sie ausreichend Pausen ein. Denn die Fahrt mit dem Wohnmobil ist mental deutlich anstrengender als eine gewöhnliche Autofahrt. Insbesondere, wenn es Ihre erste Tour ist. Übernehmen Sie sich daher nicht, machen Sie regelmäßig Pausen und planen Sie keine allzu langen Etappen ein.
Gut zu wissen: Im TUI Camper Magazin habe wir noch mehr Anfängertipps für Ihren ersten Camper-Urlaub für Sie zusammengestellt.
Fahrsicherheitstraining fürs Wohnmobil – sicher unterwegs
Sie wollen sich vor dem ersten Camper-Urlaub auf das Fahrverhalten eines Wohnmobils vorbereiten – und sich gezielt auf unwahrscheinliche, aber mögliche Gefahrensituationen vorbereiten? Dann könnte das Fahrsicherheitstraining für Wohnmobile des ADAC genau richtig sein. In einem speziell auf Wohnmobile zugeschnittenen Training lernen Sie die Herausforderungen einer Fahrt mit dem Wohnmobil kennen. Vom Bremsen und Kurvenfahren bis zum Rangieren. Auch die Abmessungen des Fahrzeugs lernen Sie so besser einzuschätzen.
Wichtig zu wissen: Ob ein Solches Fahrtraining auch mit einem gemieteten Wohnmobil absolviert werden darf, hängt vom jeweiligen Vermieter ab. Einige Vermieter schließen die Teilnahme an Fahrtrainings explizit aus. Aber auch, wenn Sie in den Mietbedingungen keine Hinweise auf entsprechende Trainings finden, sollten Sie Ihren Vermieter vorab um Erlaubnis bitten – und sich diese schriftlich bestätigen lassen. Unter Umständen wird der Abschluss einer Zusatzversicherung nötig.
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